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Schleswig-Holstein

Vierte Geburtshilfe-Station wird geschlossen

Mit der Belegabteilung auf der Inselklinik Föhr schließt bereits die vierte Geburtshilfe im Norden seit Jahresbeginn 2014. Die Konsequenzen könnten einschneidend sein.

Dirk SchnackVon Dirk Schnack Veröffentlicht:

FÖHR/KIEL. In Schleswig-Holstein schließt die nächste Geburtshilfe-Station. Das Klinikum Nordfriesland kündigte das Aus für die Belegabteilung auf der Inselklinik Föhr ab Dezember an. Grund: Leitlinien konnten bei einer geringen Geburtenzahl nicht mehr eingehalten werden.

Damit schließt bereits die vierte Geburtshilfe-Abteilung im Norden seit Jahresbeginn 2014. Zuvor hatten schon die Asklepios Kliniken Bad Oldesloe und Westerland auf Sylt sowie die Sana Klinik Oldenburg die Schließung verkündet.

Im Kieler Landtag wurde am vergangenen Freitag kontrovers über die Konsequenzen dieser Entwicklung diskutiert.

Zur Einordnung: Auf dem Festland, wo 99 Prozent aller Geburten stattfinden, kann von jeder Gemeinde aus in maximal 45 Minuten eine Geburtsklinik erreicht werden, im Durchschnitt gelingt dies innerhalb von 17 Minuten.

Auf den nordfriesischen Inseln und Halligen, wo es nach der Schließung von Föhr keine Geburtshilfe mehr geben wird, werden im Jahresdurchschnitt rund 220 Kinder geboren.

Notfallkonzept dringend gebraucht

Träger des Krankenhauses auf Föhr ist der Kreis Nordfriesland. Landrat Dieter Harrsen stellte ein geburtshilfliches Notfallkonzept für die Inseln bis Ende November in Aussicht. Neben den Rettungsdiensten sollen die Hebammen der Inseln Föhr und Amrum eingebunden werden.

Für eine Übergangsphase wird das Klinikum die Rufdienste der Hebammen finanzieren. Mit den Krankenkassen soll über ein Boarding-Konzept, also die Unterbringung von Schwangeren in einer Festland-Klinik, gesprochen werden. Diese Unterbringung will das Klinikum in Husum realisieren.

Das Husumer Krankenhaus ist der größte der vier Standorte des Klinikums Nordfriesland.

Auch Niebüll bietet diese Möglichkeit. Ein vergleichbares Konzept gibt es für die Schwangeren der Insel Sylt, denen ein Boarding-Konzept in Flensburg angeboten wird.

Leitlinien nicht mehr erfüllt

Das Klinikum Nordfriesland hatte vor der Entscheidung einen Gutachter mit einer qualitativen und rechtlichen Bewertung der geburtshilflichen Situation auf der Insel beauftragt.

Als Ergebnis wurde die Schließung empfohlen, weil das Haus nur ansatzweise die in den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe geforderten Mindeststandards einhalten konnte. Zurückzuführen sei dies nicht auf die handelnden Personen, sondern auf die erschwerten medizinischen Versorgungsbedingungen, hieß es.

Erschwerend kam ein deutlich erhöhtes Haftungsrisiko für den Klinikträger hinzu. Nicht annähernd könne die erforderliche Sicherheit etwa bei geburtshilflichen Notfallsituationen mit einem vertretbaren Aufwand gewährleistet werden, teilte das Haus mit.

"Wir können unter den gegebenen Umständen nicht länger erwarten, dass dieses Risiko von der Geschäftsführung und dem Klinikum übernommen wird", sagte Landrat Harrsen.

In den vergangenen Jahren lag die Zahl der Geburten auf Föhr meist zwischen 60 und 70, in 2014 waren es 64. In den ersten acht Monaten des laufenden Jahres gab es nur noch 28 Geburten.

Die ärztlichen Leistungen werden von der frauenärztlichen Praxis, die ihren Standort in der Klinik hat, erbracht.

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